Wird sich der Fußballverband entschuldigen?
Es
war eine spannende Saison in der Fußball-Verbandsliga. Da kämpften der VfL 93,
Concordia, Lurup, der VfL Pinneberg und
Victoria bis zum vorletzten Spieltag geradezu verbissen um die
Meisterschaft und im unteren Teil der Tabelle mussten sieben Vereine zittern, wobei
selbst der bereits lange vorher als Absteiger feststehende SC Süderelbe stets
für eine Überraschung gut war. Noch einen Spieltag vor dem Saisonende gewann
Süderelbe auswärts beim SC Condor. Dramatischer kann eine Saison kaum
verlaufen. Und wenn wir nach vorn blicken, so verspricht auch die neue
Spielzeit Hochspannung pur. Dafür garantieren allein schon die drei Neuen der
Klasse: Oberliga-Absteiger Meiendorfer SV,
Eintracht Norderstedt und
der heimstarke Meister der Hamm onia-Staffel, Buchholz 08. Soviel Spannung und so guten Fußball wie er
den Zuschauern
zuletzt geboten wurde, wünschen wir uns auch
für die nächste Saison.
Was wir uns allerdings auch wünschen, wäre ein Fußballverband, der seiner Aufsichts- und Fürsorgepflicht nachkommt. Hätte der Spielausschuss des HFV diese Aufgaben wahrgenommen, wäre es nicht zur Aberkennung von Punkten durch Formfehler und damit zu Protesten gekommen, die letztlich eine Wettbewerbsverzerrung im Abstiegskampf zur Folge hatten. Der bekannte Hamburger Sportjournalist und Manager des TSV Sasel äußerte im „Sport-Mikrofon": „Man muss sich fragen, was die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter beim Verband machen?" Schickel tadelte: „Sie präsentieren sich wie die drei chinesischen Affen. Nichts sehen. Nichts hören. Nichts wissen! Hinzu kommt, dass einige Vereine explizit darüber informiert worden sind, dass sie schnell Protest (gegen die Wertung von Spielen gegen Lurup) einlegen sollen, während andere Vereine darüber nicht informiert wurden."
In der Tat scheint vor allem der Victoria-Sportplatz Hoheluft ein Umschlagplatz von Insiderinformationen gewesen zu sein. Da gab ein Victoria-Spieler einem Kollegen vom HEBC am Biertisch den Ratschlag, Protest einzulegen, weil er erfahren hätte, dass beim SV Lurup Torwart Claus Hencke wegen eines Formfehlers seines Vereins keine Spielberechtigung hatte. Die Information habe er von seinem Trainer. Dieser wiederum soll im Gespräch mit einem Journalisten, nach der Quelle gefragt, geäußert haben. „Das Könnt Ihr Euch ja denken."
Jeder Kenner der Szene würde nach dieser Antwort keinen anderen im Verdacht haben als HFV-Spielausschussmitglied Joachim Dipner vom SC Victoria. In einem anderen Fall – ebenfalls den SV Lurup betreffend – hatte Bert Ehm seinen Stadionsprecher als Quelle genannt. Vehement protestierte damals Victorias Trainer gegen die Warnung unserer Zeitung an alle Mannschaften, die gegen Victoria spielen müssen, besonders vorsichtig zu sein. Dass ihm die Legende von dem allwissenden Stadionsprecher niemand abnahm, konnte Ehm nicht begreifen. All die Verdächtigungen und Peinlichkeiten könnte der Fußballverband in der Zukunft vermeiden. Michael Schickel vermisste im Interview ein Wort der Entschuldigung vom Verband. Diese wäre in der Tat ein Signal für die Bereitschaft, künftig seine Aufgaben im Interesse der Vereine besser zu erfüllen.
Günther Wilke